Ist der Desktop-PC tot?

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Stirbt der PC? Ist der Desktop-PC tot? Nutzt man heute noch PCs? Was ist der Anlass, dass vermehrt Schlagzeilen wie diese die Runde machen? Ausschlaggebend dafür ist, dass inzwischen der Großteil des Internetverkehrs von Mobilgeräten kommt. Schon 2016 stellte Google seinen Hauptindex vom Desktop-Index auf den mobilen Suchindex um. Bereits 51,3 Prozent macht laut StatCounter der mobile Internet-Traffic aus. Rechnet man nun noch hinzu, dass die PC-Absätze weltweit sinken, ist das Anlass genug den PC „Klassiker“ zu nennen. Was die PC-Verkäufe angeht und wie man diesen Faktor bewerten kann, habe ich bereits in einem anderen Artikel ausgeführt.

Haupttraffic von Mobilgeräten?

Ja und das macht durchaus Sinn. Ein PC steht zu Hause im Arbeitszimmer, er ist also höchstens nach Feierabend und am Wochenende in Betrieb. Das Smartphone in der Hosentasche nicht nur Abends auf dem Sofa, sondern permanent auch am Arbeitsplatz, in Pausen, unterwegs in Auto oder Zug, im Urlaub, beim Einkaufen oder während des Wartens am Bahnhof. Gemessen am Datenverkehr bedeutet das aber keineswegs, dass wegen des wachsenden mobilen Traffic der Heimcomputer gerade ausstirbt.

Der PC stirbt schon immer

Recherchiert man tiefer, staunt man nicht schlecht, denn der Heimcomputer wurde schon für tot erklärt, bevor er wirklich verbreitet war. Zu teuer, keinen Nutzen, ganz klar: Der PC ist nur ein kurzer Hype. Als sich Mitte der 1990er-Jahre der Handheld/PDA ausgebreitet hat, war für viele das endgültige Ende des PCs bereits absehbar. Letztendlich verschwand der Handheld, sogar ziemlich schnell.

Das Ende des PCs war erneut Thema, als sich plötzlich Netbooks ausbreiteten. Kleine, leichte Notebooks für unterwegs, die ganz klar den dicken, platzverschwendenden PC verdrängen werden. Letztendlich verschwand das Netbook. Heute gibt es Smartphone und Tablet, doch die Bedingungen sind andere. Während Handheld, PDA und Netbook nur schwerfällig internetfähig waren und mit Betriebssystemen kamen, die nicht nur kaum nennenswerte Software boten, gibt es heute schnelles, mobiles Internet und App Stores, die prall gefüllt sind mit nützlichen Anwendungen.

Der PC-Markt sinkt (nicht mehr)

Anfang 2017 dreht sich der Wind, Hewlett Packard (HP) und weitere Hersteller melden stark steigende PC-Verkäufe. Um rund zehn Prozent legt der PC-Markt zu. HP sticht hier (u. a. mit Lenovo) klar unter den Fertig-PC-Herstellern hervor. Schon im April 2017 ist der PC wieder tot, „größter Negativ-Rekord seit zehn Jahren“, heißt es – oder doch nicht?

Das Tablet ist auch tot – das Smartphone auch

Das Tablet ist am Ende, noch 2014 hieß es: Tablets only: Das Smartphone stirbt aus. Nun gut… Was, außer einem größeren Bildschirm unterscheidet ein Tablet von einem Smartphone? Nichts, denn es gibt Android-Tablets mit dem Android-Betriebssystem das auch auf Smartphones läuft, und es gibt iPads, die wie iPhones mit dem gleichen Betriebssystem laufen: iOS. Die Bildschirme von Smartphones werden stetig größer, warum sollte man sich also noch ein Tablet kaufen? Convertible heißt die Zukunft! Eine Mischung aus Tablet mit vollwertigem Betriebssystem und Notebook mit Touchscreen. Bekanntestes Beispiel ist das Microsoft Surface. Der Haken, die entsprechenden Geräte sind nicht gerade das, was man hardwaretechnisch auf aktuellem Stand bezeichnen könnte. Nein, sie sind recht spärlich ausgestattet. Convertibles sind momentan noch sehr teuer und aktuell lässt sich zu diesem Geräten gar nicht viel sagen, aber ich warte gespannt auf die nächste Totsagung.

Übrigens… Die E-Mail ist auch tot, schon lange. Der altbekannte Messenger ICQ hat sie getötet. Die SMS hat dann ICQ getötet und zuletzt hat WhatsApp die SMS getötet – und die E-Mail erfreut sich noch immer größter Beliebtheit.

Differenzierung in Zielgruppen

Zurück zum eigentlichen Thema. Zerlegen wir kurz, wer eigentlich einen PC benutzt: Firmen, Spieler, „Power-User“ und normale Heimanwender. Mit dem Smartphone hat man das Internet in der Hosentasche, immer und überall parat. Wie schon oben beschrieben ist es also logisch, dass die mobile Nutzung um ein Vielfaches stärker steigt. Man stellt sich nun die Frage, sinken die Zahlen an Desktop-Nutzern unter Berücksichtigung, dass die Menschen ihren PC vollständig ersetzen oder steigt die mobile Nutzung einfach überproportional, da diese ja permanent überall und nicht nur nach Feierabend verfügbar ist?

Es bleibt nur das Smartphone…

Musik hören, E-Mails lesen, die Fotosammlung verwalten und ein Spielchen zum Zeitvertreib? Kein Problem mit dem Smartphone. Ist das aber schon alles?

Seien wir ehrlich, haben Sie schon einmal einen Brief auf dem Smartphone verfasst? Die Qual nur einen Dreizeiler auf einem Smartphone zu tippen, möchte ich gar nicht weiter ausführen. Drucken, kein Problem, wie sieht es aber mit anderer Hardware aus? Keine Chance! Das kann man so auf alle Bereiche anwenden, die auch der Heimanwender außerhalb der Punkte in ersten Zeile anwendet. Kommen wir zu Profi-Software – da sind wir schnell fertig, denn solche Software gibt es nicht für Smartphones und auch bei Tablets sieht es mau aus. Ja, es gibt beispielsweise ein Microsoft Word als App. So stark abgespeckt, dass man es nicht ernsthaft zum Erstellen von alltagstauglichem Schriftverkehr einsetzen kann. Es gibt für alles eine App – definieren wir App: Stark reduzierte Anwendungen, optimiert für die schnelle Nutzung von unterwegs. Neben all dem, wie groß ist eigentlich der durchschnittliche Smartphone-Bildschirm? 5 – 6 Zoll? Kann man so „arbeiten“?

Betreten wir noch kurz eine andere Gruppe. Anwendungsentwicklung auf dem Smartphone? Designen? Bürotätigkeiten? Spieler: GTA, Call of Duty – auf dem Smartphone??  Wir können an dieser Stelle schon aufhören auszuführen, denn wir kreisen nur einen Teil der zerlegten Zielgruppen ein: Normale Heimanwender. Auch wenn man sie in noch viele weitere Gruppen unterteilen könnte, sind sie die einzige Gruppe, die einen Desktop-PC tatsächlich annähernd entbehren könnte. Alles in allem ist demnach klar, so schnell stirbt der PC sicher nicht!

Fazit

Fassen wir kurz zusammen: Der PC ist tot, das Tablet ist tot, das Smartphone irgendwie auch. Das Convertible? Man weiß es nicht, aber ich wage zu orakeln: Convertibles sind eine Mischung aus Tablet (die ja tot sind) und einem Notebook (PC, also auch tot). Zusammen ergibt das ergibt Doppel-Tot – oder Zombie-Apokalypse. Spaß beiseite, aktuell leben alle der genannten Geräte. Was die Zukunft genau bringen wird, weiß heute noch niemand – unterhaltsam wird es aber auf jeden Fall bleiben.

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