Die unterschätzten Folgen der Automatisierung

Lesezeit: 23 Minuten


Seit Beginn der Industrialisierung fürchtet der Mensch, dass seine Arbeitskraft von Maschinen ersetzt werden könnte. Dieses Thema ist alles andere als neu. Im späten 18. Jahrhundert war die Angst vor der Veränderung gesellschaftlicher Strukturen groß. Handwerker wurden durch moderne Fabriken mehr und mehr verdrängt, sodass sie keine andere Wahl hatten, als ebenfalls in solchen Fabriken zu arbeiten. Dort wurden immer mehr Abläufe mit Hilfe von Maschinen erledigt, anstatt wie zuvor von Hand.

Aus heutiger Sicht und heutigem Jargon wäre die Zahl der „Insolvenzen“ horrend gewesen. Tatsächlich stieg die Anzahl der Beschäftigung und dabei wurden die Fabrikbesitzer immer reicher, deren Arbeiter aber immer ärmer – so unter anderem entstanden die bekannten Werke von Karl Marx.

Nur schöne Worte für die industrielle Revolution

Marx hatte unrecht, die düsteren Zukunftsprognosen haben sich nicht im dort beschriebenen Ausmaß bewahrheitet. So viel zur allgemeinen Ansicht. Um es kurz zusammenzufassen, Karl Marx beschrieb damals umfangreich, wie die Industrialisierung die Menschen ausbeutet und ihre Arbeitskraft letztendlich ersetzen wird. Er prophezeite außerdem breite Armut, Verelendung und Krankheiten. Heute steht fest, es ist doch nichts passiert. Alle profitierten von der industriellen Revolution und alle Kritik daran war hysterische Schwarzmalerei. Historisch gesehen ist dieses weit verbreitete Meinungsbild allerdings falsch und die Relativierung der Folgen prägen das Leitbild.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts veränderte die zweite Phase Industrialisierung das Wirtschaftssystem grundlegend. Die erste Phase begann bereits Ende des 18. Jahrhunderts. Die Modernisierung hielt in den Städten Einzug, was dazu führte, dass mit der immer schnelleren Entwicklung neuster Maschinen große Mengen ohne viel Aufwand günstig produziert werden konnten (Massenproduktion). Die bis dahin herkömmlichen Betriebe, ihre Produktionsmethoden und ihre Arbeiterschaft in der Kleinstadt oder der ländlichen Region, waren nicht länger in der Lage, ihre Waren zu einem gleichwertigen Preis abzusetzen beziehungsweise noch länger von ihrer Arbeit zu leben. Ihnen blieb daher keine andere Wahl, als ebenso in die technisierten Städte zu ziehen und ihre Gewerbe dabei aufzugeben – diese Abwanderung in die Städte nennt sich Urbanisierung.

Was im Loblied auf die industrielle Revolution fehlt

In den modernen Fabriken verrichteten die Arbeiter fortan die selben Tätigkeiten – mit Hilfe modernster Maschinen, aber für erheblich weniger Lohn. Die Folgen waren nicht, wie man heute so gerne behauptet, ein in kürzester Zeit explodierender Wohlstand für alle und bahnbrechende Entwicklungen in Rekordzeit. Es formierten sich eine kleine, privilegierte Oberschicht und eine breite Unterschicht. Armut, prekäre Arbeitsbedingungen von bis zu 18 Stunden pro Tag, Hungersnöte, Unruhen und Krankheiten waren die Folgen.

Durch die Urbanisierung entstand eine horrende Wohnungsnot. Elendsviertel mit improvisierten Baracken und Hütten dehnten sich massiv aus. So entstand auch ein Überangebot an Arbeitskräften, was die prekären Arbeitsbedingungen durch die große Auswahl noch weiter verschärfte. Auch die Umweltbedingungen verschlechterten sich durch die Verelendung zunehmend: Vermüllte Straßen, mit Fäkalien und anderem Unrat verunreinigte Bäche, Flüsse und Gewässer, die gleichzeitig wiederum als Trinkwasserquellen dienten. Epidemien und hohe Sterblichkeitsraten wuchsen so massiv an.

Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts begannen sich diese katastrophalen sozialen, hygienischen, Umwelt- und Arbeitszustände zu verändern – also in der dritten Phase der industriellen Revolution. Dies war also kein Prozess, der einige Jahre standhielt, sondern rund ein ganzes Jahrhundert. Hauptsächlich kam Veränderung aber nur durch neue Gesetze, die Arbeitgeber in die Schranken wiesen. Diese wiederum kamen auch nicht aus heiterem Himmel. Ausschlaggebend dafür waren nicht wie heute vielfach behauptet höhere Löhne durch die zunehmende Technologisierung, exorbitant gesteigerte Massenproduktion und sich dadurch langsam aber stetig verbessernde Lebensumstände – sondern Aufstände und Unruhen.

Am Ende bleibt also festzuhalten, dass die menschliche Arbeitskraft zwar nicht ersetzt wurde, wie Marx prophezeite, wohl aber die prekären Lebens- und Arbeitsbedingungen eintraten und sich über das ganze Jahrhundert hielten.

Zweite und dritte industrielle Revolution

Der Begriff Zweite industrielle Revolution trat 1936 erstmals auf. Die genaue Definition sowie die zeitliche Zuordnung ist unter Historikern umstritten, da sie sich in Europa durch die Hochindustrialisierung und in Amerika durch die Rationalisierung unterscheidet. Grund dafür sind wahrscheinlich die beiden Weltkriege, da sich Europa und Amerika hierdurch abweichend entwickelten. Ab 1970 trat die Dritte industrielle Revolution mit der Technologisierung ein.

Vierte industrielle Revolution: Industrie 4.0

Künstliche Intelligenz, kurz KI oder engl. Artificial Intelligence AI, ist ein Bereich der Informatik. Kurz umschrieben handelt es sich dabei um intelligente und lernfähige Computerprogramme, die fähig sind Ideen zu entwickeln und Probleme zu lösen. KI ist aber nicht nur einfach ein steifes Programm, das festgelegten Abläufen folgt, sondern in der Lage ist sich selbst weiterzuentwickeln. Was sich nun nach reiner Sciencefiction anhört, ist tatsächlich bereits Realität. Bekannte Namen sind zum Beispiel Alexa aus dem Hause Amazon. Auch Apple, Google und Microsoft arbeiten an künstlichen Intelligenzen. Googles KI hat erst kürzlich das erste Sonnensystem mit acht Planeten entdeckt. Laut der NASA wäre diese Entdeckung ohne KI nicht möglich gewesen. Google ist dabei schon so weit fortgeschritten, dass „Duplex“ Telefonate führen und Termine vereinbaren kann, ohne dabei als Maschine erkannt zu werden.

Die Digitalisierung an sich ist nur eine Vorstufe, zum Problem kommt es erst durch die daraus resultierende Automatisierung. Sie beschreibt Prozesse, die vollautomatisch ablaufen und zwar ohne, dass es dabei menschliches Zutun benötigt. Auch hierbei handelt es sich hauptsächlich um computergesteuerte Abläufe, die in der Tat viele heute noch gängige Tätigkeiten überflüssig machen wird.

Während es in der (ersten) industriellen Revolution zwingend notwendig war, dass jemand die neu entstandenen Maschinen bedient und die entstandenen Produkte weiterverarbeitet, sind heutige Faktoren andere. Heute kann man dabei auf Menschen gänzlich verzichten. Die Stichworte hierzu heißen Automatisierung und künstliche Intelligenz (KI/AI) beziehungsweise maschinelles Lernen.

Hartnäckiger Irrglaube

Noch hält sich der Glauben hartnäckig, dass die sogenannte Industrie 4.0 eine Vielzahl an neuen Jobs entstehen lassen und genau so nichts passieren werde, wie während der ersten industriellen Revolution. Dennoch könne man sich vorausschauend vorbereiten und durch „lebenslanges Lernen“ vorbereiten. Wie bereits erwähnt, heutige Bedingungen sind andere. Fundierte Studien hingegen sprechen bereits davon, dass in wenigen Jahren schon 800 Millionen Jobs durch die Automatisierung vernichtet werden. Während des Weltwirtschaftsforum in Davos 2019 sind sich Konzerne, Unternehmer sowie auch Lobbyisten heute schon einig, mindestens 80 Prozent ihrer Mitarbeiter entlassen zu wollen (verlinkter Artikel in englischer Sprache). Spätestens ab diesem Punkt können wir die Begriffe „Schwarzmalerei“ und „Panikmache“ wohl endgültig über Bord werfen.

Keine neuen Jobs entstehen

Wird die Automatisierung medial thematisiert, hört man gleich zuerst, sie werde genau so viele Jobs entstehen lassen wie wegfallen und überhaupt noch viel mehr neue Arbeitsplätze schaffen. Eine Milchmädchen-Rechnung. Zweifelsohne werden neue Jobs entstehen, Jobs die zwangsläufig der Automatisierung anlehnen und damit wiederum vollständig automatisierbar – also hinfällig sind. Leider ist es tatsächlich genau so simpel.

So oder so, diese neuen Jobs werden ohnehin nicht von denen besetzt, deren alte Tätigkeiten verloren gegangen sind. Für den Schmid war es in früheren Zeiten kaum ein Problem zum Müller zu werden, heute hingegen sind die Bedingungen für eine Umschulung sehr viel strikter. Der Bankkaufmann wird genau so wenig „Artificial Intelligence Interaction Designer“, wie zu Zeiten der industriellen Revolution der Kutscher zum Chauffeur wurde. Umschulung? Zu teuer, der Kutscher ist mit all seiner theoretischen und praktischen Erfahrung auch schon zu alt. Und genau das gleiche war es, als es keine Chauffeure mehr benötigte. Sie wurden nicht einfach zu Bus- oder Taxifahrern, sondern überwiegend entweder arbeitslos oder als ausbildungsfremden „Handlanger“-Tätigkeiten angestellt. Gleiches ließ sich bei ausgedienten Handwerksberufen beobachten: Der Wagner, der Reepschläger, die Näherin, Schuhmacher, Gerber, Schneider und viele mehr. Zu alt, zu jung, zu unerfahren oder überqualifiziert, fachfremd, zu lange her oder könnte ja noch schwanger werden.

Lebenslanges Lernen wirkt der Automatisierung kaum entgegen

Nur mit „lebenslangem Lernen“ könne man der Automatisierung entgegenwirken, sagen heute Entscheidungsträger und Wirtschaftsexperten. Dies sei eine zwingende Voraussetzung der Digitalisierung und Allheilmittel gegen Arbeitslosigkeit. Gleichzeitig sind sich aber alle einig, dass wohl die meisten Jobs wegfallen. Klar zeichnet sich ab, Druck und Existenzängste sind wohl immer noch der beste Motivator. Der Wirtschaftsingenieur hat dann zwar einen Master of Science, ist allerdings trotzdem arbeitslos. Wohl eher soll die „Crème de la Crème“ verfügbar gehalten werden.

Wie bereits erwähnt, die technischen Neuerungen der industriellen Revolution setzten zwingend jemanden voraus, der sie bedient und weiterverarbeitet. Dieser Punkt entfällt in der Industrie 4.0.

Industrie 4.0 wenig vergleichbar

Die vierte Industrielle Revolution ist mit der ersten nur wenig vergleichbar, denn diese hatte die Revolutionierung von bestehenden Arbeitsprozessen zum Ziel, die Automatisierung hingegen die grundlegende Optimierung der Arbeitswelt. Es scheint, als könnte Karl Marx über 150 Jahre später doch noch recht behalten.

 

„Artificial intelligence is the biggest risk we face as a civilisation“

Übersetzung: „Künstliche Intelligenz ist das größte Risiko, dem wir als Zivilisation ausgesetzt sind“
(Elon Musk, 2017)

„AI could be the worst event in the history of our civilization“

Übersetzung: „KI könnte zum schlimmsten Ereignis in der Geschichte unserer Zivilisation werden“
(Stephen Hawking, 2016)

 

Bedingungsloses Grundeinkommen?

Das bedingungslose Grundeinkommen (BGE), vielfach diskutiert und meistens als bloße Sozialromantik abgetan. Kommunismus 2.0 und wie ja jeder weiß, Kommunismus funktioniert nicht. Gefolgt von der Aussage, dass ein BGE sowieso nicht finanzierbar sei und die Menschen faul mache, folgt an dritter Stelle eines typischen Disputs meist die Feststellung, dass damit jedes Sozialsystem innerhalb kürzester Zeit kollabieren müsse. Ohne nun näher auf die Frage eingehen zu wollen, ob ein Grundeinkommen «die Lösung» ist, wie man es vielleicht tatsächlich finanzieren kann, ob es sich möglicherweise wirklich selbst finanziert oder, was eine Alternative zu dieser Alternative darstellen mag, bleibt eine simple Feststellung: In Anbetracht der Ausgangssituation mit der Prognose, dass die Automatisierung allein in Deutschland schon bis 2025 mehrere Millionen Arbeitsplätze kosten und gleichzeitig viele Millionen Arbeitslose produzieren wird, wird das Sozialsystem ohnehin kollabieren. Es finanziert sich schließlich durch Erwerbsarbeit.

Ein bedingungsloses Grundeinkommen ist also, glaubt man der Wirtschaft und ihren Experten, vollkommen unrealistisch. Doch wie realistisch ist der Appell jener Experten an die soziale Verantwortung und Ethik von Konzernen und Unternehmen? Eine wundersam sozial gewordenen, kapitalistische Weltökonomie? Die Geschichte der Menschheit und besonders die der Neuzeit zeigt und lehrt anderes, als eine Wohlstandsgesellschaft, die für sich arbeiten lässt und den ganzen Tag Zeit für ihre Hobbies hat. Viel wahrscheinlicher ist, dass es zu einer breiten Unterschicht (wie sich heute bereits mehr und mehr durch die Globalisierung abzeichnet), Massenarbeitslosigkeit, Armut und einer sehr privilegierten Oberschicht kommen wird.

Die Arbeit geht nicht aus, aber die Jobs

Für Job gibt es zwei geläufige Definitionen:

  1. Die „eingedeutschte“, aus den USA stammende Bezeichnung für eine vertraglich geregelte, bezahlte Festanstellung mit einer zu verrichtenden Arbeit.
  2. Eine gesellschaftlich als minderwertig angesehene Tätigkeit, die ungelernten, arbeitsscheuen oder minderbegabten Menschen zugeschrieben wird.

Die Arbeit ist nach wie vor da, wird nun aber von einer Maschine erledigt. Klassische Tagelöhner für schnelle und möglichst günstig auszuführende Jobs wird es in der automatisierten Zukunft noch viel häufiger geben als heute. So, wie es bereits in der ersten industriellen Revolution war nur, dass die Industriellen dann Leih- bzw. Zeitarbeitsunternehmen sind.

In Zukunft wird es eine Menge Allrounder benötigen – also die, die „nicht wissen, was sie eigentlich wollen“, wie man heute in Personalabteilungen zu sagen pflegt. Längst beobachten wir die Verdrängung der normalen Vollzeitbeschäftigung und eine deutliche Zunahme atypischer Beschäftigungen. Der Prozess hat längst begonnen. Die Automatisierung ist ein schleichender Prozess – von heute auf morgen wird sie nicht einschlagen, aber in den kommenden zehn bis 15 Jahren.


Ein Gedankenspiel…

Ohne nun den Marx des 21. Jahrhunderts spielen zu wollen oder eine pessimistisch, düstere Zukunftsprognose zu fällen – ein Gedankenspiel mit faktischem Hintergrund…

Goldenes Handwerk? Ein Irrtum!

Schreibtischtätigkeiten und andere Bürojobs werden schon bald komplett wegfallen. Wer braucht schon Bürokraten und andere „Sesselpupser“, die tun doch sowieso den ganzen Tag nichts – soweit ist sich die Allgemeinheit einig. „Sei schlau, geh auf den Bau“, hieß es früher. „Das Handwerk ist unersetzbar“, tatsächlich aber steht das Handwerk nicht besser da. In China wurden bereits 2014 zehn Häuser in nur 24 Stunden aus dem 3D-Drucker gebaut. In Japan gingen vor kurzem die ersten Häuser aus dem 3D-Drucker in Serie. Auch Russland und die USA planen bereits die Massenproduktion. Die einzigen Stellen an denen hier noch Menschen benötigt wurden, waren bei Transport und Anschluss des Bauwerks an die örtliche Infrastruktur. Auch der Transport kann mit autonomen Fahrzeugen vollautomatisch abgewickelt werden, somit werden auch hier menschliche Arbeitskräfte entfallen.

Maurer, Gipser, überflüssig. Vereinzelt ein paar Elektriker zum Anschließen an die Netze, ebenso vereinzelt Installateure. Ingenieure? Maschinenbauer? Mechatroniker? Anlagenmechaniker? Wie bereits erwähnt, die KI ist fähig, sich selbst zu entwickeln. Auch für diese Berufsgruppen wird es also eng. Hier können wir Architekten gleich mit ins Boot holen – die Maschine wird keinen Berechnungsfehler machen, der vielleicht die Statik eines Bauwerks gefährdet.

Aber irgendjemand muss doch die ganzen künstlichen Intelligenzen bauen und Instandhalten? Zumindest noch am Anfang.

Erntehelfer? Unnötig. In Zukunft können auch das Maschinen – inklusive der Weiterverarbeitung, Beförderung und Lagerung von Gütern. Überhaupt wird Obst und Gemüse zukünftig nicht mehr auf dem Acker angebaut, sondern hygienisch und geschützt vor Schädlingen, Tierfraß und Krankheiten in Hallen bzw. sog. „Gemüsefabriken“. Auch das ist bereits Realität – in Japan. Beim Friseur sieht es auch nicht besser aus, Kopf in die modernisierte Haube strecken, auf dem Bildschirm daneben die Frisur auswählen und die Maschine macht den Rest. Gärtner und Landschaftsdienstleister dürften allerdings gute Aussichten haben. Für KI und Automatisierung ist hier eher wenig Spielraum vorhanden.

Verkäufer? Auch die benötigt es heute schon nicht mehr. Amazon und andere testen bereits seit einiger Zeit erfolgreich Lebensmittelgeschäfte ohne Verkäufer. In Frankreich gibt es längst Supermärkte, die den gewählten Artikel schon scannen und abrechnen, wenn er vom Käufer erst in den Einkaufswagen gelegt wird. Der gesamte lokale Handel wird sterben – Einkäufe, egal ob es sich dabei um Lebensmittel, Kleidung oder andere Waren handelt, werden zukünftig ausschließlich online durchgeführt. Berater, Vertreter und anderes Fachpersonal, bereits heute wird dies mehr und mehr überwiegend online maschinell erledigt und das entsprechende Personal nach und nach entlassen.

Auch akademische Berufsgruppen vor dem Aus

Schon heute sind Ärzte eigentlich überflüssig. Eine Datenbank, gefüllt mit dem fundierten, globalen medizinischen Wissen, ein Bildschirm und eine Webcam genügen, um die Erkältung zu diagnostizieren – per Päckchen kommt dann auch die Medikamentenverordnung nach Hause. Eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU) kommt gleich mit aus dem Drucker – diese wird man aber eher nicht mehr benötigen. Komplizierte Operationen in Kliniken werden schon länger mit hochpräzisen medizinischen Geräten durchgeführt – zwar noch mit menschlicher Unterstützung, aber auch dazu hat die KI das Zeug – somit entfällt der Chirurg. Vom kleinsten Wehwehchen zum hochkomplizierten Eingriff, „Menschen machen Fehler, Roboter nicht“, sagt man.

Richter, Anwälte? Überflüssig! Beide Gruppen zusammen sind menschlich voreingenommen, sympathisieren vielleicht mit einem Täter und urteilen nicht mehr objektiv. Die zukünftige Straftat wird per Computer, KI und Spracherkennung verhandelt. Innerhalb von Sekunden wird anhand einer Gesetzes-Datenbank das Strafmaß festgelegt und das Urteil gefällt.

Geschäftsführer, Manager oder andere Entscheidungsträger? Sie haben einst aus wirtschaftlichen Gründen beschlossen, große Teile Ihrer Belegschaft durch Automatisierungstechnik und KI zu ersetzen, aber jetzt sind auch sie überflüssig, denn die KI trifft viel wirtschaftlichere Entscheidungen, kann ich sekundenschnelle Abwägungen und Einschätzungen fällen und stets im Besten für die Firma handeln.

IT, Beruf mit Zukunft? Von wegen!

Die heute in IT-Berufen tätigen Menschen legen den Grundstein und schaffen sich dabei sprichwörtlich selbst ab. Ein einziger Programmierer kann mit nur einem einzigen Kopierbefehl Millionen künstlicher Intelligenzen programmieren – und das in wenigen Sekunden. Wenn der Bestand erst einmal vorhanden ist, übernimmt die KI das selbst und der verbleibende Programmierer wird auch überflüssig. Support und Beratung? Das kann die KI per Internetanbindung und aus der Cloud. Vollautomatisiert funktioniert auch der ganze Rest von der Herstellung bis zur Wartung.

Die Welt von Morgen wird noch viel vernetzter sein als die heutige. Die KI wird uns von A bis Z kennen und wissen, was Zahlungskräftige wollen und brauchen. Sie wird unsere Spiele programmieren, unsere Anwenderprogramme und Systeme – Programmierer? Kein Beruf mit Zukunft! Vollautomatisierte Fabriken stellen diese Produkte ohne menschliches Zutun her – nicht einmal in der Anlieferung über autonome Fahrzeuge und Transportsysteme benötigt man einen Menschen. Anfallender Müll wird noch vor Ort recycelt oder weiterverarbeitet – somit ist auch der Müllmann hinfällig.

Vielleicht wird es noch einige wenige Assistenztechniker geben, die wie die Elektriker-Kollegen nur noch ein paar Kabel zusammenstecken.

Taxi, Bus, Bahn, Schiff, Flugzeug und selbst das Familienauto wird autonom gesteuert, es benötigt keinerlei menschliches Personal mehr zur Beförderung von Fahrgästen. Autonome Fahr- und Flugzeuge werden nicht nur einfach bereits seit längerem erfolgreich getestet, erste autonom fahrenden Busse wurden 2018 schon in Betrieb genommen und autonom fahrende Privat-PKW sind längst käuflich.

Hoffnung für wenige Berufsgruppen

Für Mitarbeiter in Pflegeberufen gibt es Hoffnung. Pflegeberufe sind heute kaum begehrt. Der körperliche Aufwand ist horrend, Druck und Stress sind massiv und das Gehalt unangemessen gering. Altenpflege, Krankenpflege, Behindertenpflege und ähnliche Berufe – dabei finde ich es nicht übertrieben zu sagen, dass das Personal dieser Branchen für mich die Helden des Alltags darstellen. Hier werden menschliche Emotionen, Einfühlungsvermögen, Sympathie und Kontakte zwingend benötigt – das kann die KI zumindest noch nicht und auch mit der Automatisierung wird es hier schwer.

Journalisten und Entertainer könnten auch eine gute Überlebenschance haben, schließlich wollen wir auch in Zukunft Nachrichten erfahren und unterhalten werden – für Moderatoren wird es allerdings eng. Nachrichten ohne Moderation gibt es längst. Reinigungspersonal dürfte ebenfalls gute Zukunftsaussichten haben. Zu wichtig sind hier Details. Aber auch bei dieser Berufsgruppe muss erwähnt sein, dass die Mitarbeiter in diesen Berufen schon heute nicht von ihren Gehältern leben können.

Der Wohlstand, den wir uns über die Jahrzehnte aufgebaut haben, lässt das gar nicht mehr zu!

Ein Irrtum! Um es nicht noch weiter in die Länge zu ziehen, das dachten sich mit Sicherheit auch die Bewohner des römischen Reichs. Die Ägypter, die Griechen, die Osmanen bis in die Neuzeit. Noch in den 1970er-Jahren war der Irak das wohlhabendste Land im Nahen Osten. Ein hoher (westlicher) Lebensstandard, ausgebautes Sozialwesen, modernste Infrastruktur und Gesundheitsversorgung. Die Geschichte wiederholt sich. Wir sprechen nicht gleich von unserem Untergang, aber vom Fall dessen, was wir heute westliche Wohlstandsgesellschaft nennen.

Weitergedacht…

Wir gehen zur Schule, machen danach eine Lehre oder studieren. All das nur mit Ziel und Zweck, einen Beruf ausüben zu können um unseren Lebensunterhalt zu bestreiten und Selbsterfüllung zu erfahren. Welchen Sinn wird ein Studium noch haben, wenn es kaum noch einen Beruf gibt, in dem man arbeiten kann? Die wenigen verbleibenden Berufe, wo die menschliche Arbeitskraft schlicht erforderlich ist, werden hoffnungslos überlaufen sein. Das kombiniert mit dem Gedanken, dass schon 2050 zehn Milliarden Menschen auf der Erde leben werden, stimmt nicht gerade optimistisch.

Alles ferne Realität oder gar Sciencefiction? Hätte man vor wenigen Jahrzehnten jemandem erzählt, dass es heute ein batteriebetriebenes, schnurloses Telefon mit integriertem Terminkalender, Postfach, Musikspieler mit Anbindung an eine globale Datenbank für die Hosentasche gibt, wäre man zweifellos für verrückt erklärt worden. Viele der heute alltäglichen Dinge wären noch vor wenigen Jahren lediglich als Stoff für Sciencefiction-Bücher und -Filme durchgegangen.

Die unterschätzten Folgen der Automatisierung
4.8 (95.56%) 9 votes

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.